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Dax zum Handelsschluss

   

Wochenausblick: Auf wackligen Beinen

3. August 2015. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Seit Tagen kommen Europas Aktienmärkte nicht so recht vom Fleck. Einerseits drückt Analysten zufolge die ungewohnt phlegmatische Verfassung der chinesischen Konjunktur. "Die staatlich induzierte Beruhigung am chinesischen Aktienmarkt währte nicht lange, die Aktienindizes fielen rund 10 Prozent", resümiert Christian Apelt von der Helaba. Börsenkurse könnten auch im „Kommunismus“ nicht nach Belieben gesteuert werden. Allerdings sei in China der Zusammenhang von Aktienmarkt und Realwirtschaft eher locker. Die rückläufige Zinswendeangst in den USA und die einstweilige politische Entspannung im Euroraum wirkten an den Aktienmärkten hingegen eher stimmungserhellend.

Der DAX verabschiedete sich bei einem Stand von 11.306 Punkten ins Wochenende. Das entspricht einem leichten Wochenminus von 0,3 Prozent. In die neue Woche startet er mit einem ähnlichen Minus und rund 11.250 Punkten.

Fortsetzung im griechischen Poker?

Die Ruhe rund um die Verhandlungen zwischen Griechenland und seinen Gläubigern könnte durchaus trügerisch sein, wie Chris-Oliver Schickentanz von der Commerzbank meint. Denn bereits am Montag habe die griechische Regierung wieder mit dem Traktieren begonnen. "Die internationalen Gläubiger, die mit Griechenland unter hohem Zeitdruck die Details eines dritten Hilfsprogramms aushandeln wollen, wurden von der griechischen Regierung 'aus Sicherheitsgründen' nicht in Athen untergebracht." Dadurch hätten Europäische Union, Europäische Zentralbank, ESM und IWF einen beschwerlichen Weg vor sich, um in die Ministerien zu gelangen. "Wer dachte, dass die Regierung Tsipras nun alles daran setzt, schnell und konstruktiv eine Lösung zu finden, sieht sich schon nach wenigen Tagen getäuscht."

Die griechische Börse wird nach fünfwöchiger Zwangspause voraussichtlich ab heute erstmals wieder öffnen. Während der Handel für inländische Anleger vom griechischen Finanzministerium nur bedingt freigegeben wird, gibt es laut Athener Börse für ausländische Investoren keine Handelsbeschränkungen. Alle Aktien, inklusive die der Banken würden gehandelt.

Weiter warten auf die Fed

Derweil hält die Federal Reserve an ihrer unverbindlichen Zinsrhetorik fest. "Dennoch wird die US-Notenbank spätestens im Dezember die Leitzinsen erhöhen", meint Robert Halver von der Baader Bank. "Nach mehr als einem Jahr der verbalen Vorbereitung kommt die Notenbank am tatsächlichen Vollzug aus Gründen der Verlässlichkeit wohl kaum mehr vorbei."

Entscheidender als der Termin sei jedoch das anschließende Zinserhöhungstempo. "Der versehentlich an die Öffentlichkeit gelangte, vertrauliche Arbeitsentwurf der Fed-Zinsprojektionen vom Juni mit Leitzinsen von 0,35 Prozent für 2015 und 1,26 bzw. 2,12 Prozent für 2016 und 2017 deute intern bereits auf eine weniger dynamische Zinswende. "Offiziell spricht man von 0,625 Prozent in diesem Jahr und 1,625 bzw. 2,875 Prozent für die kommenden zwei Jahre."

Yellen zieht die Weltkarte

Neben nationaler Belange beziehe die US-Notenbank auch die wirtschaftlichen Auswirkungen ihrer Politik außerhalb ihres Landes in den Entscheidungsprozess mit ein. "Grundsätzlich sind die Emerging Markets bei einer US-Leitzinswende gefährdet", meint Halver. Höhere Zinsen verteuerten die Bedienung der Staatsverschuldung von Ländern wie Brasilien, die Türkei, Südafrika, Indonesien und auch Indien, die schon jetzt unter hohen langjährigen Leistungsbilanzdefiziten litten. Zinsanhebungen als Gegenreaktionen könnten zwar die eigene Währung stabilisieren. "Gleichzeitig würden sie aber das Wirtschaftswachstum hemmen." Obwohl Brasilien den umgekehrten Weg wähle, setzten die meisten Schwellenländer im Zweifel auf Zinssenkungen zum Wohle der Binnenkonjunktur.

Noch keine Entwarnung

Aus charttechnischer Perspektive spricht laut Christian Schmidt einiges für weiteres DAX-Verlustpotenzial. Auf den Kursrutsch von 11.800 auf 11.052 Punkte sei zuletzt eine technische Korrektur gefolgt. Diese habe das deutsche Aktienbarometer in den Bereich einer wichtigen Cluster-Widerstandszone bei 11.260 bzw. 11.280 Zähler geführt. "Drei aufeinanderfolgende steigende Hochs und Tiefs stellen aktuell die Grundlage für die mögliche Ausbildung einer negativen 1-2-3-Pivot-Formation dar", erklärt der technische Analyst der Helaba. Dies gekoppelt mit der Tatsache, dass die genannte Widerstandszone nicht überwunden werden konnte, könne den DAX- in Richtung 10.500 Zähler drücken.

Im Falle einer fortgesetzten DAX-Korrektur macht die Baader Bank eine erste charttechnische Unterstützung bei 11.035 Punkten aus. "Darunter verläuft die nächste Haltelinie bei 10.800 Punkten", meint Halver. Auf der Oberseite treffe der deutsche Aktienindex bei 11.288 Punkten auf einen ersten Widerstand. "Darüber verlaufen weitere Hürden bei 11.340 und 11.414 Punkten." Würden diese überwunden, träten die nächsten Barrieren bei 11.420 Punkten und darüber bei 11.600 und 11.800 Zählern in den Vordergrund.

Stabilisierung ohne Dynamik

Für Christoph Geyer von der Commerzbank hat sich an der technischen Lage trotz jüngster Stabilisierung der Aktienmärkte nichts geändert. "Durch die leichte Erholung konnte keine Dynamik nach oben generiert werden." Auch die Indikatoren verharrten derzeit im neutralen Bereich und gäben keine hilfreichen Signale.

Wichtige Konjunktur- und Wirtschaftsdaten

In Deutschland beginnt die zweite Woche der Berichtssaison für das abgelaufene Quartal. Mit der Commerzbank, BMW und Continental öffnen Unternehmen aus dem Automobilsektor ebenso ihre Bücher wie die Deutsche Telekom, der Rückversicherer Munich Re und der Sportartikelhersteller Adidas.

Donnerstag, 6. August

13.00 Uhr. Großbritannien: Veröffentlichung Zinsentscheid, Sitzungsprotokoll und Inflationsbericht der Bank of England. In Großbritannien kommt es laut HSBC nächste Woche zum „Super-Thursday“. Die britische Notenbank (BoE) gebe nicht nur ihre Zinsentscheidung bekannt, sondern zeitgleich erscheine das Protokoll der Sitzung und der Inflationsbericht. Insgesamt erwarten die HSBC-Analysten, dass die BoE, dass es noch ein wenig dauern wird, bis die notwendige Mehrheit für einen Zinsschritt gefunden wird.

Die Währungshüter dürften im Rahmen ihrer überarbeiteten Prognosen davon ausgehen, dass das zentrale Inflationsziel von 2,0 Prozent erst am Ende des zweijährigen Prognose-Horizonts erreicht wird und deswegen kein Grund für ein übereiltes Agieren besteht. Trotz einer soliden Konjunktur rechnet die HSBC daher erst im Februar 2016 mit einer ersten Zinserhöhung. Getrieben werde die britische Wirtschaft durch den Dienstleistungssektor, was der entsprechende Einkaufsmanagerindex (PMI) mit einem Anstieg auf 58,8 nach ohnehin schon hohen 58,5 Punkten unterstreichen könnte. Dagegen hinke die Industrie hinterher.

Freitag, 7. August

8.00 Uhr. Deutschland: Industrieproduktion Juni. Insgesamt ist der Trend in der heimischen Industrie der HSBC zufolge zwar nach oben gerichtet. Eine Beschleunigung der Aktivität zeichne sich mit Blick auf die jüngsten Stimmungswerte aber auch nicht ab. Insbesondere die Exportaussichten schätzten die deutschen Unternehmen zuletzt weniger optimistisch ein. Konkret rechnen die HSBC-Analysten bei den Auftragseingängen mit einem kleinen Monatsminus, während die Industrieproduktion voraussichtlich leicht zulegen werde.

Alle relevanten Termine sowie die aktuellen Daten kurz nach ihrer Veröffentlichung finden Sie auf boerse-frankfurt.de/termine.

Von Iris Merker, Deutsche Börse AG
© 3. August 2015

RSS-Quelle http://www.boerse-frankfurt.de/de/nachrichten/boerse+frankfurt+news/wochenausblick+auf+wackligen+beinen+86967

   

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