Auslandsaktien: Modemagneten aus Europa
10. September 2015. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Heute ist es soweit: In Boston eröffnet der erste Primark-Shop in den USA. Damit nimmt die irische Kette nach dem Siegeszug in Europa auch den amerikanischen Kontinent ins Visier. Amerikas Bekleidungsketten müssen sich warm anziehen, denn sie leiden bereits seit geraumer Zeit unter der Konkurrenz aus Europa, etwa H&M und der Zara-Mutter Inditex. Ehemalige „must-have“-Labels wie Gap, American Apparel oder Abercrombie & Fitch mit der Schwestermarke Hollister haben zu kämpfen. Gap hat zum Beispiel im Juni angekündigt, 175 Läden in Nordamerika zu schließen und dort etwa 250 Jobs zu streichen.
„Vom Niedergang zu sprechen, ist vielleicht zu hart, aber große Probleme haben die US-Ketten in jedem Fall“, kommentiert Jan Vrbsky von der Baader Bank. Das zeigt sich auch in den Kursen: Gap (WKN 863533), Abercrombie & Fitch (WKN 903016), American Apparel (WKN A0M92G) – alle Aktien haben in diesem Jahr nachgegeben. „Und das geht zum Teil schon seit einigen Jahren so.“ Etwas besser präsentiere sich lediglich Urban Outfitters (WKN 888903). „Das liegt an der Marke ‚Free People’“, meint Vrbsky. „Die kann offenbar konkurrieren.“
„Primania“ bald auch in den USA?
Primark eröffnete erst 2006 das erste Geschäft außerhalb Großbritanniens und hat seitdem den Kontinent erobert. Das Unternehmen setzt auf „fast fashion“: immer die neuesten Trends, hoher Umschlag, extrem günstige Preise. In Großbritannien liegt der durchschnittliche Verkaufspreis für ein Teil aus der H&M-Damenbekleidung zum Beispiel bei 10,69 Pfund (14,68 Euro), bei Primark nur bei 3,87 Pfund (5,32 Euro), zitiert der britische „Economist“ das Research-Haus Sanford C. Bernstein.
Allerdings schmeckt das Konzept von Primark vielen nicht: Nicht nur Umweltschützer kritisieren die Wegwerfmentalität, die befördert wird, auch die Produktionsbedingungen stehen am Pranger, spätestens seit dem schlimmen Unglück vor zwei Jahren in einer Fabrik in Bangladesh. Anleger ignorieren das: Die Aktie der Primark-Muttergesellschaft Associated British Foods ABF (WKN 920876) ist jedenfalls schon seit 2009 im Aufwind, rasant nach oben ging es aber in den vergangenen zwei Jahren, in denen hat sich der Kurs verdoppelt.
Inditex wächst weiter
Schon länger auf der Erfolgsspur ist der spanische Modekonzern Inditex, zu dem neben der Kernmarke Zara auch Bershka, Massimo Dutti und Pull&Bear gehören. Der Aktienkurs (WKN A11873) hat sich in den vergangenen sechs Jahren mehr als verdreifacht. Auch in diesem Jahr ging es weiter aufwärts: Nach 23,79 Euro Ende 2014 kostet der Titel aktuell 29,03 Euro. „Inditex profitiert vom Geschäftsmodell, nämlich vom Design, der Produktion über Marketing und Vertrieb alles aus einer Hand anzubieten“, bemerkt Michael Arras von Oddo Seydler. „Dadurch kann extrem schnell auf neue Trends reagiert werden, und wenn etwas nicht läuft, fliegt es schnell raus.“ Die US-Ketten produzierten hingegen zu teuer. „Außerdem sind sie nicht so auf die modebewusste junge Kundschaft eingegangen.“
Inditex hat auch in seinem bis Ende April laufenden ersten Geschäftsquartal 2015/2016 einen deutlichen Umsatz- und Gewinnsprung eingefahren. Der Umsatz stieg um 17 Prozent auf 4,37 Milliarden Euro, der Gewinn um 28 Prozent auf 521 Millionen Euro. Analysten hatten weniger erwartet.
H&M: Chancen in Indien
Gut, aber nicht ganz so gut wie bei Inditex läuft es derzeit für Hennes & Mauritz. Das zweite Quartal der Schweden enttäuschte: Der Umsatz kletterte zwar um 21 Prozent nach oben, der Gewinn hinkte mit einem Plus von „nur“ 11 Prozent aber hinterher. Analysten hatten mehr prognostiziert. H&M-Chef Karl-Johan Persson nannte unter anderem die durch den US-Dollar-Anstieg höheren Materialkosten als Grund.
Die Aktie (WKN 872318) hat an der Börse Frankfurt zuletzt deutlich nachgegeben, kommt auf Zweijahressicht aber immer noch auf ein Plus von 19 Prozent. „H&M wurde von einigen Analysten wegen des Margendrucks heruntergestuft“, ergänzt Vrbsky. Zudem wachse Inditex in China schneller als H&M. „Allerdings wurde jetzt das erste H&M-Geschäft in Indien eröffnet, für den Konzern ein extrem vielversprechender Markt.“
Nike: Von 40 auf 98 Euro
Der US-amerikanische Sportartikelriese Nike ist zwar kein reiner Modekonzern, macht aber einen großen Teil des Umsatzes mit Sport- und Freizeitbekleidung. Die Aktie hat sich ebenfalls sehr gut entwickelt, worauf Arras hinweist, an der US-Börse, und – durch den steigenden US-Dollar – erst recht an der Börse Frankfurt (WKN 866993). Vor drei Jahren kostet die Nike-Aktie noch weniger als 40 Euro, jetzt sind es 98,48 Euro.
Arras ist für Konzerne wie Inditex und H&M optimistisch: „Das Konzept stimmt. Zudem bleibt den Verbrauchern durch den niedrigen Ölpreis ja im Moment viel mehr Geld in der Tasche.“ Zumindest Inditex wird von Analysten fast durchweg zum Kauf empfohlen: Etwa rieten zuletzt die Citigroup, die Société Générale und J.P. Morgan zu „Buy“ oder „Overweight“.
von Anna-Maria Borse, Deutsche Börse AG
© 10. September 2015


















