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Dax zum Handelsschluss

   

Wochenausblick: Es bleibt angespannt

7. September 2015. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Nach den jüngsten Kapriolen hat sich die Lage an den Aktienmärkten wieder etwas beruhigt. Der DAX hat im Zuge der Korrektur in den vergangenen vier Wochen von 11.604 auf 10.038 Punkte nachgegeben, das entspricht einem Minus von über 13 Prozent. Vom Hoch im April hat sich der deutsche Bluechip-Index knapp 20 Prozent entfernt.

Für Markus Reinwand wurden die hohen Aktienbewertungen verbunden mit den massiven Anleger-Engagements damit entschärft. Für einen Wiedereinstieg ist es nach Ansicht des Helaba-Analysten dennoch zu früh. Der Schlüssel sei das richtige Timing. "Einerseits warnt eine alte Börsenregel davor, in das fallende Messer zu greifen." Auf der anderen Seite böten sich im Zuge panikartiger Verkäufe häufig interessante Kaufgelegenheiten.

Wendepunkt noch nicht erreicht

Reinwand erinnert daran, dass es zur Bestimmung der möglichen Talsohle neben den fundamentalen Kennziffern gelte, die Stimmungsindikatoren zu berücksichtigen. In turbulenten Marktphasen liefere etwa die implizite Aktienvolatilität wertvolle Hinweise. Beim VDAX könne trotz des sprunghaften Anstieg von Panik, die im Sinne der Kontraindikation ein Einstiegssignal liefern würde, noch nicht gesprochen werden. "Bärenmärkte enden in der Regel mit einem Ausverkauf und einer Kapitulation der Anleger." Dies habe bislang nicht stattgefunden.

Keine Insel der wirtschaftlichen Glückseligkeit

Wohl und Wehe deutscher Aktien hängen nach Auffassung Robert Halvers von der Baader Bank aufgrund des Globalisierungsgrads der Industrie auch an der Weltwirtschaft. "Und diese hat, setzt man die vom ifo Institut ermittelte weltweite Geschäftslage und -erwartungen gemäß den vier Phasen eines Konjunkturzyklus zueinander in Beziehung, im dritten Quartal an Kraft eingebüßt und die Boom-Phase verlassen", urteilt Halver. Denn neben Asien sei die US-Wirtschaft nicht so robust wie immer behauptet wird. Immerhin befinde sich die Weltwirtschaft aber noch in der Aufschwung-Phase.

Die Unklarheit über die US-Zinswende belasteten die Aktienmärkte. "Auf der psychologischen Ebene kommt erschwerend der berüchtigte Crash-Monat September hinzu." Trotz überverkaufter Situation könne die Findungsphase deshalb zunächst weiter andauern. Als positiv bewertet der Händler, dass der Ausverkauf am chinesischen Aktienmarkt vermutlich seinen Höhepunkt hinter sich hat. "Ausländische Großinvestoren dürften ihre Positionen bereinigt haben und die inländischen Anleger werden regulativ an Verkäufen gehindert."

Erholung zum Jahresende möglich

Auf der Habenseite für die Aktienmärkte bleibe die anhaltende Liquiditätshausse. Die Rückkehr zur geldpolitischen Normalität sei illusionär. Insbesondere deutschen Aktien kämen zudem die günstigen Rohstoffpreise, die zu Margen- und Kaufkraftverbesserungen führen, und das wirtschaftliche Nachholpotenzial der Eurozone zugute. "Vor diesem Hintergrund steht der DAX am Jahresende weit oberhalb von 11.000 Punkten" prognostiziert Halver.

Ende der DAX-Schwäche näher als gedacht?

Aufgrund des sehr schlechten Sentiments und der in den nächsten Wochen abflauenden saisonalen Schwäche sollten wir nach Ansicht von Karen Szola auch aus technischer Perspektive bald die Tiefs gesehen haben. Ein paar Seitwärtstage bzw. -wochen helfen, die noch im neutralen Bereich tendierenden Indikatoren wieder flott zu bekommen, wie die technische Analystin von Euro am Sonntag und Börse Online meint. Das könne eine frische Aufwärtsreaktion unterstützen.

"Derzeit kann nicht ganz ausgeschlossen werden, dass es nochmals in Richtung der jüngsten Tiefstände oder gar darunter bis auf maximal etwa 9.000 Punkte geht." Dann aber würde zumindest ein Doppelboden begünstigt, aus dem sich ein Kursziel bis auf rund 11.400 Punkte ableiten ließe. "Schafft es der DAX bis zum genannten Ziel, wäre auch die noch offene Kurslücke vom 12. August geschlossen und der Abwärtstrendkanal längst verlassen, an dessen unterem Ende er gerade steckt." Dem könne sich dann, mit entsprechenden Konsolidierungspausen, getrost die Rally zum Jahresende anschließen. Vorsichtigen Anlegern, die auf eine günstige Einstiegsgelegenheit warten rät Szola abzuwarten, bis der deutsche Aktienindex seine aktuell bei 11.000 Zählern liegende 200-Tage-Linie zurückerobert.

Anleger brauchen Geduld

Für Franz-Georg Wenner bleibt der Blick vorerst abwärtsgerichtet, denn bisher falle die Erholung nach der Korrektur eher mager aus. "Anders als in den vergangenen Monaten kam es nicht zu einer V-förmigen Gegenbewegung. Selbst bei einer Reaktion bis an die nächste wichtige DAX-Barriere bei 10.650 bis 10.800 Punkten gebe Wenner noch keine Entwarnung. "Erst darüber würden sich die Perspektiven langsam verbessern." Ziel wäre dann die 200-Tage-Linie bei 11.000 Punkten.

In der Vergangenheit habe der Markt nach einer vergleichbar kräftigen Korrektur in der Regel neue Tiefs ausgebildet. "Sollte der DAX in der neuen Woche 9.930 Zähler unterschreiten, dürfte auch am August-Umkehrpunkt keine Gegenwehr der Käufer erfolgen." Erst bei 9.200 sowie vor allem um 8.900 bzw. 9.000 DAX-Punkten zeige der Chart wieder viele Wendepunkte, an denen Schnäppchenjäger einsteigen würden."

Die laufenden Korrektur an den Aktienmärkten kommt für den technischen Analysten im Übrigen zu einer saisonal ungünstigen Zeit. "Seit der DAX im Jahr 1988 aus der Taufe gehoben wurde, fällt die Monatsperformance für August und September deutlich negativ aus", beschreibt der Betreiber von chartanalysen-online.de. Allerdings sei für die schwache Performance besonders der Zeitraum zwischen 1989 bis 2003 verantwortlich. Ab 2004 sehe die Bilanz besser aus. "Seitdem ist die Anzahl der negativen Septembermonate ähnlich gut wie beim traditionell starken Dezember.

Wichtige Konjunktur- und Wirtschaftsdaten

Mittwoch, 9. September

16.00 Uhr. Zinsentscheidung der Bank of Canada. Nachdem die kanadische Notenbank in diesem Jahr bereits zwei Senkungen von jeweils 25 Basispunkten durchgeführt hat, geht die HSBC von einem Festhalten am Leitzins von 0,5 Prozent aus. Die aktuelle Inflation liege mit 1,3 Prozent innerhalb dessen, was die Notenbank als Ziel vorgebe. Das Wachstum für Kanadas Wirtschaft könne vor dem Hintergrund der niedrigen Rohstoffpreise und der global schwächeren Nachfrage durchaus schwächer als die prognostizierten 1,4 Prozent für dieses Jahr ausfallen. Mit minus 0,5 Prozent sei das zweite Quartal gegenüber dem ersten drei Monaten des Jahres etwas besser ausgefallen als allgemein erwartet.

23.00 Uhr. Neuseeland: Zinsentscheidung der Reserve Bank of New Zealand. Ein Votum für eine weitere Senkung der Leitzinsen in Neuseeland um 25 Basispunkte auf 2,75 Prozent erwarten die HSBC-Analysten. Zwar erholten sich derzeit der Tourismus- und der Bausektor. Allerdings gäben die Preise für Milchprodukte erneut nach. Zudem deuteten sinkende Umfragewerte im Konsumentenvertrauen und der Geschäftserwartungen auf einen perspektivisch schwächeren Konjunkturverlauf. Im vierten Quartal werde es vermutlich eine weitere Zinssenkung um 25 Basispunkte geben.

Donnerstag, 10. September

13.00 Uhr. Großbritannien: Zinsentscheidung der Bank of England. Die Entscheidung der britischen Zentralbank wird nach Auffassung der HSBC-Analysten die größte Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Zwar bleibe die Rate vermutlich bei 0,5 Prozent, interessant werde aber das Abstimmungsverhältnis der Mitglieder des Monetary Policy Committee sein. Bei der vorherigen Sitzung habe sich eine Mehrheit von 8 zu 1 gegen eine Zinsanhebung ausgesprochen. Für eine Verschiebung der Stimmen zugunsten einer restriktiveren Geldpolitik sind nach HSBC-Ansicht bislang nicht genug positive Signale aus der Wirtschaft zu erkennen. Der leichten Erholung bei der Industrieproduktion stünde ein Rückfall des Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungssektor gegenüber. Zudem liege die Inflation mit 0,1 Prozent immer noch deutlich unter dem mittelfristigen Ziel von 2,0 Prozent.

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von Iris Merker, Deutsche Börse AG
© 7. September 2015

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