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Lupus alpha Commodity Report: Ein Monat zum Vergessen für Rohstoffbullen

14. August 2015. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Für die auf steigende Preise setzenden Rohstoffbullen, die ohnehin sehr selten geworden sind, war der Juli ein Monat zum Vergessen. Es gab keinen Sektor im Bloomberg Commodity Index Total Return, der nicht unter die Räder der Rohstoffbaisse kam. Das Preisbarometer durchbrach seine im Jahr 2008 erreichten Tiefs nach unten und bewegt sich nun geradewegs auf die Tiefstände des Jahres 2002 zu, von denen damals übrigens eine sechseinhalb Jahre andauernden Hausse ausging.

Besonders die im Index hoch gewichteten Sektoren Energie und Getreide gingen preislich im Juli mit Verlusten von 13 bis 14 Prozent auf Talfahrt. Seit Jahresanfang notiert der Bloomberg Commodity Index Total Return nun mit zwölf Prozent im Minus, nur die Edelmetalle stehen als Sektor mit minus 7,6 Prozent noch etwas besser da. Trauriges Schlusslicht bilden Agrarrohstoffe mit einem Verlust von knapp 19,4 Prozent.

Lupus alpha Rohstoff-Indikator

Der Lupus alpha Commodity-Indikator verweilt im stark negativen Bereich und deutet damit weiterhin schwache Rohstoffmärkte an. Gegenüber Ende Juni verschlechterte sich der Indikatorwert noch einmal um mehr als 5 Prozent auf minus 27 Prozent, dieses Niveau wurde zuletzt im Oktober 2014 erreicht. Anlass zur Sorge gibt zudem, dass aktuell nur noch fünf Märkte Long-Signale generieren, während die Anzahl der Short-Signale auf 18 gestiegen ist. Insgesamt erscheint die fundamentale Lage am Rohstoffmarkt sehr schwach, was auf eine Fortsetzung des Abwärtstrends in den nächsten Monaten hindeutet.

Getreide und Ölsaaten: Das Wetter spielt mit den Märkten

Preislich haben die Getreide und Ölsaaten – mit Ausnahme von Reis - im Juli eine Rolle rückwärts gemacht. Zunächst lösten die starken Regenfälle in weiten Teilen des östlichen Maisgürtels der USA bei vielen Marktteilnehmer Panikkäufe aus, dann aber reichten zwei Wochen Wetterberuhigung aus, um das Pendel wieder in die andere Richtung ausschlagen zu lassen. Das US-Agrarministerium (USDA) hat bereits angekündigt, für den Erntereport im August noch einmal die Farmer in den Vereinigten Staaten zu ihren Anbauflächen zu befragen, sodass Veränderungen der offiziellen Angaben zu den Ackerflächen möglich sind. Außerdem wird das USDA auf Basis einer Befragung der Farmer zum Ertragspotenzial ihrer Äcker erste Ernteprognosen veröffentlichen. Aus unserer Sicht werden die Ackerflächendaten und Ernteprognosen des USDA die Richtung für die Märkte in den kommenden Wochen vorgeben.
Bei Mais und Sojabohnen erwarten wir einen leichten Rückgang der Anbauflächen und einen Ernteertrag, der in der Nähe des langjährigen Trends liegen wird. Die Folge sollten weiter sinkende Preise sein, die ihre Tiefs bis zum Beginn der Ernte im September ausbilden dürften.

Der Weizenmarkt konnte sich dem allgemein negativen Trend bei den Rohstoffen nicht entziehen. Die Preise gerieten weltweit unter Druck, und die im Juni angefallenen Gewinne wurden im Juli komplett aufgezehrt. Preisdrückend wirkte auch, dass das Wetterphänomen El Niño bisher in Australien keine großen Probleme verursacht hat. Deshalb dürften die weltweiten Überschüsse auch in der kommenden Saison steigen. Probleme könnte es allerdings bei der Qualität und dem Proteingehalt geben, weshalb es sehr schwierig ist, derzeit eine Tendenz für den Weizenpreis anzugeben. Wir verhalten uns neutral.

Viehsektor: Export stützt Schweinefleischpreise

Mit einem Verlust von „nur“ 2,2 Prozent kam der Viehsektor preislich im Juli noch verhältnismäßig schadlos davon. Seit Januar allerdings hat der Sektor ein Minus von 13,1 Prozent angehäuft, damit gehört er zu den Indexsektoren mit den bislang größten Preisverlusten in diesem Jahr.

Die Preise für Magerschweine erholten sich im Juli von den starken Verlusten des Vormonats. Gründe für die Erholung waren rückläufige Schlachtgewichte, die das überdurchschnittlich hohe Produktionsvolumen etwas dämpften, und höhere Exporte. Die Zunahme der Ausfuhren ist etwas verwunderlich, denn normalerweise wird im Juni und Juli eher weniger exportiert. Besonders deutlich zeigte sich der Einfluss der Exporte bei den Preisen für Schweinebauch, die entgegen dem Trend bei allen anderen Schweinefleischsorten erheblich zulgelegt haben. Als Importeure von US-Schweinefleisch dominierten vor allem Mexiko und Japan. Die Hoffnung vieler Analysten, dass China beim US-Schweinefleisch als größter Käufer auftritt, erfüllte sich nicht. Wir betrachten die jüngste Erholung bei den Schweinefleischpreisen eher als kurze Pause in einem übergeordneten Abwärtstrend. Auch wenn die Notierungen inzwischen Niveaus erreicht haben, die einen Anstieg der Nachfrage vermuten lassen, wäre ein - aus heutiger Sicht - unwahrscheinlicher Anstieg bei den Exporten nötig, um den deutlichen Produktionsüberschuss nennenswert zu verringern und höhere Preise zu rechtfertigen.

Dies gilt umsomehr, also die Daten zu den wöchentlichen Schlachtungen im Juli im Verhältnis zum impliziten Schweinebestand gemäß den Quartalsberichten des USDA vermuten lassen, dass das Schweinefleischangebot bis zum Jahresende überproportional hoch sein wird. Shortpositionen im Oktober- und Dezemberkontrakt erscheinen uns daher sinnvoll.

Bei den Lebendrindern setzte sich der negative Preistrend aus dem Vormonat fort, die Notierungen gingen im Juli um 3,5 Prozent zurück. Seit den Novemberhochs verbilligten sich schlachtreife Rinder damit um insgesamt zwölf Prozent, die Kontrakte notieren nur noch um 3,5 Prozent über den Februartiefs. Die Rindfleischproduktion war im Juli zwar rückläufig, die Preise wurden aber von den unterdurchschnittlichen Exporten und der Aussicht auf eine Stabilisierung der Herdengröße in den USA belastet. Bei der halbjährlichen Bestandsaufnahme in den Vereinigten Staaten wurde erstmals seit 2006 wieder eine steigende Rinderanzahl ermittelt, was in den kommenden Monaten ein höheres Rinderangebot und eine Entspannung bei der seit zwei Jahren knappen Rindfleischversorgung erwarten lässt. Trotzdem halten wir den Preisrückgang auf das aktuelle Niveau für überzogen, denn die Nachfrage in den USA bleibt recht stabil und wird unseren Modellen nach in den kommenden Wochen ansteigen, dies ist zumindest die Tendenz in den Wochen vor dem „Labour Day“-Feiertag.

Wir rechnen mit einer Erholung der Preise in den kommenden Wochen und halten Longpositionen im Oktoberkontrakt für sehr erfolgsversprechend.

Energie: Erfolgreicher Angriff auf die Märztiefs

Rohöl der Sorte West Texas Intermediate (WTI) verbilligte sich im Juli um knapp zwölf US-Dollar pro Fass und durchbrach damit die Märztiefs nach unten. Besonders heftig waren die Verluste in den letzten zehn Handeltstagen des Monats. Baker Hughes, einer der global führenden Erdöldienstleister, gab am 31. Juli bekannt, dass sich die Anzahl der Erdölförderanlagen in den USA auf 664 erhöht hat. Ende Juni wurden nur 628 Anlagen gezählt, seitdem sind also 36 Förderanlagen hinzugekommen. Trotzdem reduzierte sich die Erdölproduktion in den USA nach Schätzungen des US-Energieministeriums in der Woche zum 31. Juli auf 9,511 Millionen Fass pro Tag, was einen leichten Rückgang gegenüber den Rekordwerten vom 31. März dieses Jahres darstellt. Die Rohöllagerbestände in den Vereinigten Staaten nahmen unterdessen - ohne Berücksichtigung der strategischen Bestände - im Juli um 2,9 Millionen Fass ab. Der Rohölvorrat liegt damit immer noch um 117,5 Millionen Fass über dem Fünfjahresdurchschnitt und um 92,3 Millionen Fass über dem Stand des vergangenen Jahres. Fundamental spricht also wenig für eine Preiserholung, und auch aus charttechnischer Sicht hat der Preis des WTI-Frontmonatskontrakts noch viel Platz nach unten. Wir erwarten daher weiter fallende Preise.

Unter den Ölprodukten bleibt Benzin aufgrund der guten Nachfrage immer noch die erste Wahl für Anleger. Solange die US-Raffinerien aber weiterhin soviel Benzin produzieren wie derzeit und es nicht zu den für die Branche typischen Wartungsarbeiten kommt, wird der Benzinpreis nur auf relativer Basis gegenüber den Heizöl- und Rohölnotierungen überzeugen können. Unsere fundamentalen Modelle jedenfalls deuten beim Benzin weiter Longinvestments an.

Der Erdgaspreis verharrt in einer Seitwärtsbewegung. Die Daten zu den wöchentlichen Lagerbeständem brachten zuletzt keine großen Überraschungen, anders als im vergangenen Jahr rangieren die Vorräte auf einem komfortablen Niveau. Angesichts der beginnenden Wirbelsturmsaison und des heißen Sommers erwarten wir in den kommenden Wochen keine großen Preisrückgänge beim Erdgas, größere Anstiege der Notierungen sind aber auch nicht in Sicht.

Edelmetalle: Goldpreis fällt auf Fünfjahrestief

Vom Edelmetallsektor kann man aus dem vergangenen Monat nichts Gutes berichten. Binnen zwei Tagen rutschte der Goldpreis, beschleunigt durch eine Vielzahl ausgelöster Stopp-Loss-Order, um über neun Prozent bis auf 1.080 US-Dollar pro Feinunze ab. Nach einer kurzfristigen Erholung bröckelte der Preis zuletzt weiter ab. Verunsichert wurden die Anleger von der allgemein schwachen asiatischen Nachfrage, der Beruhigung in der Griechenlandkrise und von Äußerungen der US-Notenbankpräsidentin Janet Yellen, die eine Erhöhung der US-Zinsen im September wahrscheinlicher anmuten lassen. Auch die chinesische Notenbank enttäuschte die Goldanleger, weil ihre Goldbestände in den vergangenen sechs Jahren von 1.054 Tonnen nur auf 1.658 Tonnen gestiegen sind. Damit ist der Goldanteil an den chinesischen Devisenreserven von 1,8 auf 1,65 Prozent gesunken. Marktteilnehmer hatten teilweise mit chinesischen Goldbeständen von weit mehr als 2.000 Tonnen gerechnet. China hat damit die Chance vertan, die Attraktivität seiner Währung durch höhere Goldbestände zu steigern. Mit der jüngsten Abwärtsbewegung sind auch die Bestände börsengehandelter Goldfonds weiter gefallen, sie liegen jetzt auf einem Sechsjahrestiefststand.

Bei Platin und Palladium hat sich die Abwärtsbewegung der Preise beschleunigt, die Verluste seit Jahresbeginn liegen inzwischen bei etwa 20 Prozent. Neben der Goldpreisentwicklung belastet auch die wieder erstarkte südfafrikanische Produktion die Preise, und wegen des Kursverfalls am chinesischen Aktienmarkt haben die Autohersteller des Landes ihre Prognosen für den – immerhin weltgrößten - Automobilmarkt deutlich nach unten korrigiert. Nachdem die Verkaufszahlen im Vorjahr um 6,9 Prozent gestiegen waren, wurde die Prognose für den Zuwachs in diesem Jahr von sieben auf drei Prozent gesenkt. Auch die Prognosen für die Platin- und Palladiumnachfrage aus der Schmuckindustrie sind verhalten.

Selbst wenn der Markt überverkauft erscheint, lassen das Momentum der Abwärtsbewegung und die Charttechnik bei den Edelmetallen kurzfristig keine Entwarnung zu. Wenig optimistisch stimmt auch, dass die Produktionskosten – auch wegen des gesunkenen Ölpreises - deutlich gefallen sind. Entscheidend für die weitere Preisentwicklung dürfte die Reaktion der asiatischen Nachfrage auf die gefallenen Preise sein. Wenn die Bodenbildung abgeschlossen ist, dürfte die Gegenbewegung aufgrund der massiven Shortpositionierung spekulativer Marktteilnehmer heftig ausfallen. Wir rechnen damit, dass die zuletzt erhöhte Volatilität anhält und sehen wichtige charttechnische Marken für den Goldpreis bei 1.030 und 890 US-Dollar pro Feinunze.

Industriemetalle: Schwache Nachfrage drückt die Preise

Die für Juni berichteten chinesischen Konjunkturdaten sind überraschend positiv ausgefallen: Das Wachstum lag bei sieben Prozent, und die Industrieproduktion erhöhte sich. Die positiven offiziellen Zahlen stehen allerdings im krassen Gegensatz zu den Einkaufsmanagerindizes und zur allgemein schwachen Nachfrageentwicklung für Industriemetalle. Chinesische Einkaufsmanager im produzierenden Gewerbe aus 420 Unternehmen notierten zuletzt Rückgänge bei Produktion, Ordereingang und Exporten, damit bestätigen sie die negative Stimmung in Bezug auf die Konjunkturentwicklung im Reich der Mitte. Dass zuletzt, bedingt durch den Preisverfall bei Öl, auch die Produktionskosten der Industriemetalle gesunken sind, fügt sich in das insgesamt nicht sehr positive Szenario. Lediglich die Höhe spekulativer Shortpositionen gibt Anlass zum Nachdenken.

Beim Aluminium bringen die ungebremst steigende chinesische Produktion und die Exporte von Vorprodukten aus dem asiatischen Land den Markt aus dem Gleichgewicht. Im ersten Halbjahr lag die Aluminiumerzeugung im Reich der Mitte um 11,7 Prozent über dem Vorjahreswert, die Exporte stiegen um 25 Prozent. Vor diesem Hintergrund ist klar, warum sich seit Jahresbeginn die durchschnittlichen Erwartungen für den globalen Aluminiummarkt verändert haben: Ursprünglich wurde ein leichtes Defizit erwartet, nur wird mit einem Überschuss von 325.000 Tonnen gerechnet.

Die Überschusserwartungen für den Kupfermarkt haben sich seit Jahresbeginn auf 194.000 Tonnen beinahe verdoppelt. Während die Nachfrage Chinas in diesem Jahr nur noch um drei bis vier Prozent wächst, ist die Produktion des Landes allein im ersten Halbjahr um 9,4 Prozent gestiegen. Belastend für die Preise wirkt sich auch aus, dass die Produktionskosten nach Angaben der GFMS-Marktspezialisten im Jahresvergleich um fünf Prozent gefallen sind. Bei Produktionskosten von 5.051 US-Dollar pro Tonne sind Produktionskürzungen wegen der gefallenen Kupferpreise nicht zu erwarten.

Wenn sich die chinesische Nachfrage nicht verbessert, dürfte der Markt für Industriemetalle in diesem Jahr unter Druck bleiben. Scharfe Gegenbewegungen sind bei der derzeitigen Positionierung der Marktteilnehmer allerdings jederzeit möglich. Kandidat für eine solche Bewegung könnte Nickel sein, denn trotz kollabierender Stahlpreise wird bei diesem Metall im laufenden Jahr mit einem Defizit gerechnet.

Nahrungsmittel und Fasern: Preise geraten in den Abwärtssog

Im Sog der insgesamt fallenden Rohstoffnotierungen haben auch die Preise für Nahrungsmittel und Fasern im Juli deutliche Einbußen hinnehmen müssen. Die Schwäche des brasilianischen Real sorgte bei Kaffee und Zucker für zusätzlichen Abwärtsdruck. Die International Sugar Organisation (ISO) erwartet im anstehenden Erntejahr zwar ein globales Defizit am Zuckermarkt von 2,5 Millionen Tonnen, angesichts der weltweiten Lagerbeständen von 83 Millionen Tonnen dürfte das kleine Defizit allerdings kaum ins Gewicht fallen. Größere Produktionseinbußen wegen des El-Niño-Wetterphänomens deuten sich auch nicht an. Abgesehen von kurzfristigen, durch Eindeckungen von Shortpositionen bedingten Gegenbewegungen dürfte daher beim Zucker mit leicht abbröckelnden Notierungen zu rechnen sein.

Nach Angaben der International Coffee Organisation (ICO) bestand am Kaffeemarkt im vergangenen Erntejahr ein Defizit von acht Millionen 60-kg-Säcken. Damit ist die braune Bohne aus fundamentaler Sicht besser gestellt als Zucker. Dennoch gerieten die Kaffeepreise unter Druck, neben Devisenkursentwicklungen sind dafür die hohen vietnamesischen Lagerbestände der Sorte Robusta verantwortlich. Ebenfalls eine Rolle spielte die positive Wetterentwicklung zur Erntezeit in den brasilianischen Arabica-Regionen, die keine kurzfristigen Engpässe am Kaffeemarkt erwarten lässt. Angesichts der bevorstehenden Blütezeit der Kaffeepflanzen sehen wir aus Anlegerperspektive derzeit keinen Handlungsbedarf.

Der Ausbruch des Baumwollpreises über die Marke von 67 US-Cent pro Pfund hat sich - zumindest kurzfristig - als Fehlsignal erwiesen. Wir gehen allerdings weiterhin von einem baldigen Abschluss der Bodenbildung aus. Selbst wenn sich der indische Monsun für den Baumwollanbau positiver als erwartet entwickelt, dürften die Auswirkungen des stärkeren El-Niño-Wetterphänomens spätestens im vierten Quartal zu spüren sein. Preislich neutral dürfte der Versuch Chinas sein, Teile seiner Lagerbestände zu verkaufen, denn aufgrund der unattraktiven Preissetzung glauben wir, dass die Maßnahme nur von mäßigem Erfolg gekrönt sein wird. Belastend für den Baumwollpreis könnte sich jedoch ein weiter fallender Ölpreis auswirken, der mit der Naturfaser konkurrierende Kunstfaserprodukte billiger macht.

Während die Nachfrage der europäischen Kakaomühlen im zweiten Quartal über den Erwartungen lag, haben die Nachfragezahlen aus Asien und den USA enttäuscht. Kurzfristig erhielt der Markt dadurch einen kleinen Dämpfer. Angesichts des allen Erwartungen nach stärker ausfallenden El-Niño-Wetterphänomens und einer nur aufgeschobenen Nachfrage bleiben wir aber in Bezug auf die Kakaopreise insgesamt bis zum Jahresende positiv eingestellt. Nach eineinhalbjähriger Zurückhaltung dürfte die Nachfrage seitens der Kakaomühlen in den kommenden Monaten wieder anziehen, und die in einem El-Niño-Jahr zu erwartenden Produktionseinbußen von durchschnittlich 2,4 Prozent dürften den Markt in der kommenden Saison deutlich ins Defizit bringen. Auch die Produktion Ghanas wird sich aufgrund der Vielzahl alter Baumbestände nur wenig erholen. Wir sehen - selbst nach dem im bisherigen Jahresverlauf aufgelaufenen Plus von zwölf Prozent - bei einem Preis von 3.269 US-Dollar pro Tonne noch Potenzial.

Ausblick

Der Druck auf die Rohstoffpreise dürfte im August anhalten, die Tiefs aus dem Jahr 2002 sind in Reichweite. Das Überangebot bei den meisten Rohstoffen und der starke US-Dollar belasten die Notierungen, außerdem wird der Markt die sehr wahrscheinliche Zinserhöhung der US-Notenbank einpreisen. Vor diesem Hintergrund ist die Performance der meisten Rohstofffonds aus Anlegersicht enttäuschend, einige große Marktteilnehmer haben bereits die Segel gestrichen. Die Stimmung liegt nahe am Nullpunkt, eine Renaissance erwartet kaum noch jemand. Solange der US-Dollar stark bleibt und Chinas Aktienmärkte schwächeln, sehen wir keinen Grund, warum sich an der jetzigen Situation etwas ändern sollte.

von Gerd-Henning Beck
© 13. August 2015

Gerd Henning Beck ist Portfolio-Manager. Nach einigen Jahren in leitender Position bei einer deutschen Großbank hat er sich entschlossen, dem Aktienderivatehandel den Rücken zu kehren und seiner Leidenschaft des Rohstoffhandels nachzugehen. Im Rahmen des Talent-Hotel hat er eigenverantwortlich und erfolgreich einen Track-Record für Commodities aufgebaut; heute ist der Commodity Fund in der Produktpalette etabliert.

Dieser Artikel gibt die Meinung des Autors wieder, nicht die der Redaktion von boerse-frankfurt.de. Sein Inhalt ist die alleinige Verantwortung des Autors.

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