Baader Bank Investmentthema: Turbulenzen in China stärken Indiens Börse
4. August 2015. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Des einen Freud, des anderen Leid. Die Turbulenzen am chinesischen Aktienmarkt haben sich zu einem Segen für den Aktionär in Indien entwickelt. Seit dem 12. Juni haben die Verkäufe der ausländischen Investoren zu einer Vernichtung der Marktkapitalisierung von 2,8 Billionen US-Dollar an den Festlandbörsen Chinas geführt. Einen Teil des Kapitals, nämlich 705 Millionen US-Dollar, investierten sie nach Angaben der Agentur Bloomberg im selben Zeitraum in indische Aktien. Das führte dazu, dass der indische Leitindex, der S&P BSE Sensex Index, um 7 Prozent stieg.
Die Interventionen der Chinesen am Aktienmarkt wie beispielsweise die Handelseinschränkungen haben viele institutionelle Anleger dazu veranlasst, ihre Gelder nach Indien umzuschichten. Die 2-Billionen-US-Dollar-Wirtschaft, die zuletzt einen Schub durch die fallenden Ölpreise bekommen hat, ist weniger abhängig von der chinesischen Konjunktur als andere Schwellenländer. Gerade Fondsmanager betrachten Indien als Oase der Ruhe in einem Meer von Kursturbulenzen.
Die Gewinne im S&P BSE Sensex Index bedeuteten einen Turnaround, nachdem der indische Aktienmarkt in den vier Monaten zuvor deutlich korrigiert hatte. Zweifel am wirtschaftsfreundlichen Kurs von Premierminister Narendra Modi hatten Ausländer davon abgehalten, in Indien zu investieren. Von seinem Hoch Ende Januar bis zum 12. Juni hatte der S&P BSE Sensex Index um 11 Prozent korrigiert. Er gehörte damit zu den weltweit schlechtesten Börsen.
Analysten wie Sukumar Rajah von Templeton erwarten, dass sich das Wirtschaftswachstum Indiens wegen verschiedener Antriebskräfte von 7 bis 8 Prozent in den kommenden Jahren auf 9 bis 10 Prozent steigern wird. Damit wird der Subkontinent die am stärksten wachsende Wirtschaft weltweit aufweisen. Dagegen prognostiziert Rajah für China in den kommenden Jahren eine nachlassende Wachstumsdynamik. Die Wirtschaft des Subkontinents wuchs im ersten Quartal um 7,5 Prozent, während China eine Expansion von 7 Prozent aufwies. Der Internationale Währungsfonds (IWF - International Monetary Fund) prognostizierte unlängst, dass Indiens Ökonomie China im laufenden Fiskaljahr outperformen werde.
Rajah begründet seine Einschätzung mit der günstigeren demografischen Entwicklung. Von den 1,2 Milliarden Indern sind 62 Prozent zwischen 15 und 59 Jahren. Chinas Anteil an Menschen im arbeitsfähigen Alter wird nach einer Schätzung der Vereinten Nationen bis 2030 um 61 Millionen sinken. Das ist so viel, wie die arbeitsfähigen Menschen in Großbritannien und Frankreich zusammen.
Nach Einschätzung der von Bloomberg beobachteten Analysten werden die Gewinne von indischen Unternehmen in den kommenden zwölf Monaten sieben Mal so schnell wachsen wie die chinesischer Firmen. Die Profite der Sensex-Werte werden um 30 Prozent wachsen, während die Gewinne der Unternehmen im Hang Seng China Enterprises Index lediglich um 4,3 Prozent zunehmen werden.
Für Anleger, die an einem weiteren Anstieg des indischen Aktienmarktes partizipieren wollen, ist eine direkte Investition in den indischen Leitindex Sensex nicht möglich. Direktanlagen von Ausländern unterliegen sehr restriktiven Regeln. Es bestehen allerdings Möglichkeiten, dennoch an der Entwicklung des Marktes zu partizipieren. So bietet die UBS ein Indexzertifikat auf den ETT des MSCI India Net Total Return Index CH0119397500) an. In den vergangenen vier Wochen ist der Tracker um 2,4 Prozent gestiegen. Die Einjahresperformance liegt bei 2,8 Prozent.
Eine Alternative ist ein Tracker des DBIX Deutsche Börse India Index (WKN HV1DBX), der von der Deutschen Börse berechnet wird. Emittent ist die Hypovereinbank. Binnen vier Wochen ist der Index um 3,6 Prozent gestiegen. Über ein Jahr sind es sogar 35,3 Prozent.
Eine weitere Möglichkeit ist ein Investment über einen Exchange Traded Fund (ETF). Von der Deutschen Bank wird der db X-trackers CNX Nifty UCITS ETF (ISIN LU0292109690) angeboten, der 50 der größten und liquidesten indischen Wertpapiere enthält, die an der indischen Börse NSE (National Stock Exchange of India Ltd.) gelistet sind. Über die zurückliegenden zwölf Monate kam der Indexfonds auf einen Wertzuwachs von 25 Prozent. Bei dem rund 250 Mio. Euro verwaltenden ETF fallen Kosten von 0,85 Prozent an.
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© 4. August 2015
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