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Dax zum Handelsschluss

   

Anleihen: Zinsphantasien

7. August 2015. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Die US-Zinspolitik und ihre Auswirkungen bewegen laut Händler zunehmend die Gemüter im Anleihehandel. "Heiß diskutiert blieb und bleibt die Frage nach dem Zeitpunkt der Zinswende und ob sie nun im September kommt oder nicht", beschreibt Sabine Tillmann von der Hellwig Wertpapierhandelsbank. Deshalb blickten Anleger gespannt auf die dortigen Wirtschaftsdaten.

Nachdem in dieser Woche der ISM Einkaufsmanager-Index für das Dienstleistungsgewerbe mit plus 4,1 Punkte den höchsten Stand seit zehn Jahren erreicht hat und die Beschäftigungskomponente um satte sieben Punkte nach oben geklettert ist, kommt nach Tillmanns Meinung nun auf die heute anstehenden offiziellen Arbeitsmarktzahlen an. "Die vorgeschalteten US-Jobzahlen von ADP bleiben hinter den Erwartungen zurück." Paradoxerweise bejubelt der Markt nach Beobachtung der Helaba schlechte Konjunkturdaten, weil so billiges Notenbankgeld weiter die Kurse befeuere.

Der Euro-Bund-Future verlor im Wochenverlauf unter Schwankungen von 154,39 auf 153,89 Prozent und kratzte im Hoch an der Marke von 155 Prozent. Das entspricht einer Rendite von 0,719 Prozent, wie Arthur Brunner von der ICF Bank berechnet.

Billigeres Geld für Spanien

Mit dem grundsätzlichen Ja zu einem dritten Hilfspaket ist das Thema Griechenland laut Brunner bei Anlegern tendenziell in den Hintergrund gerückt. Das habe für Kurserholungen von Staatsanleihen der europäischen Peripherie gesorgt. "Zudem hat sich Spanien in dieser Woche zu deutlich besseren Konditionen am Markt refinanziert." Angesichts eines ansonsten emissionsarmen Sommers hätten Investoren bei spanischen Bonds mit Fälligkeiten von 2018, 2020 und 2025 beherzt zugegriffen. Insgesamt 4,9 Milliarden Euro seien so über den Tisch gegangen.

Die Rendite dreijähriger Bonds komme auf 0,341 Prozent. "Anfang Juli lag der Ertrag noch bei 0,691 Prozent." Für fünfjährige Anleihen seien statt 1,291 aktuell 0,916 Prozent fällig. "Die 1,982 Prozent Rendite für neue zehnjährige spanische Bonds sind nicht vergleichbar, da die letzte Tranche bereits im April begeben wurde", erklärt Brunner

Ausgeglichener Handel bei griechischen Staatsanleihen

Mit der Öffnung der griechischen Börsen zum Wochenbeginn lief auch der Handel mit griechischen Anleihen wieder an. Laut Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft trennten sich Anleger zunächst von ihren Engagements in Staatsanleihen. "Durch die Bank wurde verkauft."

Im Wochenverlauf konnten sich die Preise nach Beobachtung von Tillmann im Vergleich zu den Preisen vor der Aussetzung am 29. Juni wieder leicht erholen. "Anleger warten nun auf die Einigung zwischen den Geldgebern und der griechischen Regierung."

Lufthansa nutzt die Gunst der Stunde

Eine neue Hybridanleihe (WKNA161YP) der größten deutschen Fluggesellschaft mit einer Laufzeit bis 2075 und einem Kupon von 5,125 Prozent löst nach Ansicht von Brunner bei Anlegern nicht gerade Begeisterung aus. Lufthansa hat 500 Millionen Euro zu einem Ausgabepreis von 99,448 Prozent eingesammelt, aktuell kostet die Anleihe 99,87 Prozent. Eine erstmalige Kündigung ist zum 12. Februar 2021 möglich. "Der Wettbewerbsdruck in der Branche ist enorm, das zeige auch die neue Preisstruktur für Lufthansa-Tickets", begründet Brunner. Bei Daniel gehört die Lufthansa-Anleihe zu den beliebtesten Werten auf der Kaufseite. "Sie geht weg wie warme Semmeln", meldet der Händler.

Deutsche Börse-Anleihe gesucht

Gut aufgenommen wurde Brunner zufolge eine neue Hybridanleihe der Deutschen Börse (WKN A161W6) mit einem jährlichen Zins von 2,27 Prozent und einer Laufzeit bis Februar 2041. "Der Ausgabepreis lag bei 100 Prozent, mittlerweile ist der Kurs bis 101,54 Prozent gelaufen." Eine erstmalige Kündigung ist zum 5. Februar 2021 möglich.

Jeweils 750 Millionen Euro frisches Kapital hat sich VW Leasing über eine fünfjährige mit 0,75 Prozent verzinste Anleihe (WKN A0JCC3) und einen bis August 2017 laufenden Floater (WKN A0JCC2) besorgt.

Abengoa-Anleihe unter Druck

Nach dem starken Einbruch der Abengoa-Aktie trennten sich Investoren laut Daniel verstärkt von einer Anleihe des Mischkonzerns (WKN A1AVGM), der unter anderem im Bereich der erneuerbaren Energien aktiv ist. "Auslöser für das Misstrauen war die überraschende Ankündigung einer Kapitalerhöhung von insgesamt 650 Millionen Euro." Das spanische Unternehmen plane, mit den eingesammelten Geldern unter anderem Unternehmensschulden abzutragen."

Anleger trennen sich von Brasilien-Bonds

Schlechte Nachrichten aus Brasilien sorgen nach Meinung von Daniel für Abgaben von Anleihen. "Was mit Brasilien zu tun hat, steht unter Druck." Mit dabei Real-Fremdwährungsanleihen (WKN A1X3CC), aber auch Bonds von Unternehmen wie Portugal Telecom, die Brasilien stark engagiert sind. Das Land kämpfe mit steigender Inflation und sinkender Industrieproduktion um 6,3 Prozent allein im ersten Halbjahr dieses Jahres. Zudem gebe es einen Korruptionsskandal, in dem hochrangige Politiker eine Rolle spielen.

 

von Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! Merker, Deutsche Börse AG

© 7. August 2015

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