Marktstimmung: Kursgewinne reizen (noch) nicht
Zusammenfassung
Seit Mittwoch ist der DAX um 300 Punkte gestiegen, was die von uns befragten Anleger nicht zum Handeln bewegt hat: plus 2 Prozent Bullen und plus 1 Prozent Bären bei den institutionellen Anlegern bzw. minus 2 Prozent Bullen und plus 2 Prozent Bären bei den Privatanlegern. Das lässt den Sentiment-Index mit +23, bzw. +21 Punkten nahezu unverändert im bullishen Bereich.
Vergangene Woche hat Joachim Goldberg eine Trading-Range für den DAX identifiziert, worin ihn das heutige Ergebnis bestätigt. Abgeleitet hat der Behavioral Finance-Analyst dieses Band aus dem Chartbild der vergangenen zwei Monate, das in den Köpfen der Anleger präsenter sei als fundamentale und politische Nachrichten.
An dieser Spanne hält Goldberg größtenteils fest. Er erwartet, dass das Juli-Hoch von etwas mehr als 11.800 Punkten die Anleger zu Gewinnmitnahmen stimulieren könnte. An der Unterseite sollte es erst bei etwa 11.200 Zählern zu Nachkäufen kommen. Sein Fazit: Da kaum mit stützender Nachfrage hiesiger Anleger zu rechnen ist, bleibt die Hoffnung auf Kaufinteresse aus dem Ausland.
5. August 2015. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Während der vergangenen Handelstage gab es zwei große Themen, die die Börsianer beschäftigt haben. Das eine, die Entwicklung am chinesischen Aktienmarkt, wird von den Akteuren mit nachlassendem Interesse wahrgenommen. So scheint sich, trotz einer starken Volatilität und teils dramatischer Kurssprünge (gemessen am Shanghai Composite Index) während der vergangenen vier Wochen, grundsätzlich eine entspanntere Haltung eingestellt zu haben. Zumal sich mittlerweile die Überzeugung durchsetzen konnte, dass die staatliche Regulierungsbehörde in China mit stützenden Aktienkäufen und Leerverkaufsverboten offenbar alles versuchen wird, stärkere Abwärtsbewegungen im Aktienmarkt zu verhindern. Das zweite Thema, die Frage, wann die US-Notenbank vor Ablauf des Jahres zum ersten Male die Leitzinsen erhöhen wird, wurde vor allem in den Medien eingehend diskutiert, während es den meisten Börsianern inzwischen egal sein dürfte, ob die Fed diesen ersten Zinsschritt nun im September oder erst im Dezember vornehmen wird. Dies zeigt sich auch in unserer jüngsten Stimmungserhebung: Erneut hat der Optimismus der institutionellen, mittelfristig orientierten Marktteilnehmer noch einmal, wenngleich marginal, angezogen und markiert mit einem Börse Frankfurt Sentiment-Index von +23 Punkten nach +22 Punkten in der Vorwoche ein neues Fünf-Wochen-Hoch.
So gering der jüngste Zuwachs bei den Aktienbullen auch ausgefallen sein mag – bemerkenswert erscheint er trotzdem. Denn im Vergleich zu unserer vergangenen Erhebung hat der DAX nicht nur täglich einen höheren Schlusskurs erreicht, sondern auch kaum Möglichkeit geboten, wesentlich günstiger als vor einer Woche einzusteigen. Dennoch war der Kursgewinn von 2,7 Prozent (stichpunktbezogen) erwartungsgemäß nicht hoch genug, um die Investoren zu größeren Gewinnmitnahmen zu reizen.
Auch Privatanleger zeigen sich gelassen
Bei den Privatanlegern ist die Stimmungslage kaum anders. Weil es jedoch bei dieser Gruppe zu einigen wenigen bullishen Positionsauflösungen gekommen ist und sich paar Akteure sogar gegen den bestehenden Aufwärtsimpuls des DAX positioniert haben, ist hier der Börse Frankfurt Sentiment-Index um vier Punkte auf einen Wert von +21 Punkte gefallen.
Unter dem Strich zeigt sich bei den institutionellen wie auch bei den privaten Anlegern eine grundlegende Tendenz: Sie haben keine Angst vor einem Zinsschritt der US-Notenbank. Vielmehr warten beide Gruppen auf weitere Börsengewinne, wobei man sich an der Kursentwicklung der vergangenen Wochen orientieren wird. In diesem Zusammenhang dürfte das Juli-Hoch von etwas mehr als 11.800 DAX-Zählern die mehrheitlich bullish positionierten Börsianer eventuell zu Gewinnmitnahmen stimulieren, ein Schritt, der wiederum zumindest temporär die Aufwärtsentwicklung des DAX abbremsen könnte. Da sich die Engagements der mittelfristig orientierten Marktteilnehmer derzeit mehrheitlich in der Gewinnzone befinden, ist in der näheren Kursumgebung an der Unterseite allerdings auch nicht mit Nachkäufen zu rechnen. Derartige stützende Positionsaufstockungen wären nach unseren Berechnungen – wenn überhaupt – erst bei etwa 11.200 Zählern angezeigt. Mit anderen Worten: Auf große stützende Nachfrage aus dem Inland kann der DAX derzeit kaum mehr hoffen. Gut möglich aber ist es, dass dieser Mangel durch weiteres Kaufinteresse aus dem Ausland ausgeglichen wird.
von Joachim Goldberg, Goldberg & Goldberg für boerse-frankfurt.de
© 5. August 2015
[1] Der Börse Frankfurt Sentiment-Index bewegt sich zwischen -100 (totaler Pessimismus) und +100 (totaler Optimismus), der Übergang von positiven in negative Werte markiert die neutrale Linie. Die Werte des früheren Cognitrend Bull/Bear-Index sind auf die neue Skalierung umgerechnet worden.

Blaue Balken: institutionelle Investoren, gelbe Balken: private Investoren
Institutionelle Anleger
| Bullish | Bearish | Neutral | |
|---|---|---|---|
| Total | 52% | 29% | 19% |
| ggü. letzter Erhebung | +2% | +1% | -3% |
- DAX (Veränderung im Vergleich zu 29. Juli): 11.520 (+2,67 %)
- Börse Frankfurt Sentiment-Index institutionelle Anleger: +23 Punkte (+1 ggü. letzter Erhebung)

Private Anleger
| Bullish | Bearish | Neutral | |
|---|---|---|---|
| Total | 51% | 30% | 19% |
| ggü. letzter Erhebung | -2% | +2% | +0% |
- DAX (Veränderung im Vergleich zu 29. Juli): 11.520 (+2,67 %)
- Börse Frankfurt Sentiment-Index private Anleger: +21 Punkte (-4 ggü. letzter Erhebung)

















